Kolli-Durchlaufregale sind Kommissionierregale, deren Ebenen aus geneigten Röllchenleisten bestehen. Kartons, Behälter und Kleinladungsträger laufen darauf allein durch Schwerkraft von der Beschickungsseite zur Entnahmeseite nach.

Wer heute an der Kommissionierung ansetzt, um Zeit zu gewinnen, stößt schnell auf ein Missverhältnis. Der eigentliche Griff in den Behälter dauert Sekunden. Der Weg dorthin, das Suchen in der Reihe, das Warten, bis jemand anderes den Gang freigibt, und das Nachfüllen zwischendurch dauern ein Vielfaches davon. An diesen Nebenzeiten setzt das Kolli-Durchlaufregal an, nicht am Griff selbst.

Warum die getrennten Seiten der entscheidende Punkt sind

Der Aufbau ist schnell erklärt: Beschickt wird auf der einen Seite, entnommen auf der gegenüberliegenden. Dazwischen liegt eine geneigte Röllchenbahn, auf der die Ladungsträger nachrücken, sobald vorn einer weggenommen wird.

Diese Trennung wirkt banal, sie verändert aber den Ablauf grundlegend. Der Mitarbeiter, der nachfüllt, und der Mitarbeiter, der kommissioniert, arbeiten nicht mehr im selben Gang und behindern sich nicht gegenseitig. Nachschub kann laufen, während kommissioniert wird. Wo beide Tätigkeiten von derselben Seite aus auf dieselbe Ebene zugreifen, ist genau das nicht möglich.

Der zweite Effekt betrifft den Griffbereich. Weil die Ware von selbst nach vorn kommt, steht an der Entnahmestelle immer ein voller Ladungsträger in Reichweite. Es entfällt das Greifen in die Tiefe, das Umgreifen und das Vorziehen halbleerer Kartons. Regalebenen, Neigung und Griffbereich lassen sich dabei auf Ihre Kommissioniergüter und auf die ergonomischen Anforderungen Ihrer Mitarbeitenden auslegen.

FIFO ist eingebaut, nicht organisiert

Weil beschickt und entnommen auf gegenüberliegenden Seiten wird und keine Einheit eine andere überholen kann, arbeitet das Kolli-Durchlaufregal systembedingt nach dem FIFO-Prinzip. Der zuerst eingestellte Karton wird zuerst entnommen. Wichtig ist dabei die Richtung: Vorn an der Entnahmestelle steht die älteste Einheit, nicht die neueste. Nachgefüllt wird hinten, und was hinten dazukommt, arbeitet sich erst nach vorn, wenn alles davor abgearbeitet ist.

Für datums- und chargenkritische Bestände ist das der eigentliche Wert des Systems. Die Reihenfolge hängt nicht daran, dass jemand richtig gebucht oder richtig gegriffen hat, sondern an der Bauform. Wird ein Kolli-Durchlaufregal ausnahmsweise nur von einer Seite bedient, kehrt sich das um und die Anlage arbeitet nach LIFO. Das ist zulässig, sollte aber bewusst entschieden und nicht nebenbei so eingerichtet werden. Ob Ihr Bestand nach FIFO oder LIFO abfließen muss, sollte deshalb vor der Auslegung feststehen.

Ladungsträger und Aufbau

Geeignet ist das System für ein breites Spektrum an Ladungsträgern: Kartons, Kunststoffkästen, KLT sowie Behälter und Trays aus Metall, Holz oder Kunststoff. Der Aufbau ist modular und besteht aus Rahmen, unterschiedlichen Röllchentypen, Bremsen und Trennteilern. Über die Wahl des Röllchentyps und der Bremselemente wird die Laufgeschwindigkeit an das Gewicht und die Bodenbeschaffenheit des Ladungsträgers angepasst, denn ein leichter Karton verhält sich auf derselben Bahn anders als ein voller KLT.

Beschickt wird manuell oder über fördertechnische Anlagen. Das Regal lässt sich damit als eigenständige Lösung betreiben oder in ein automatisiertes Umfeld einbinden.

Wo sich der Einsatz lohnt

Kolli-Durchlaufregale spielen ihre Stärke dort aus, wo ein großes Sortiment an Kleinteilen mit hohem Umschlag bereitgestellt werden muss. In Lager- und Distributionszentren beschleunigen sie die Auftragsabwicklung, weil viele Artikel auf engem Raum in Griffweite stehen.

In der Fertigung dienen sie als dynamisches Bereitstellungsregal an der Montagelinie. Ein entleerter Ladungsträger wird entnommen, der nächste rollt nach, und der Montagevorgang läuft ohne Unterbrechung weiter.

Im E-Commerce-Fulfillment trifft das System auf ein Grundproblem der Branche: saisonale Spitzen bei gleichbleibender Fläche. Wo die Kommissionierleistung je Arbeitsplatz steigt, verschiebt sich die Kapazitätsgrenze nach hinten, ohne dass eine Halle dazukommt.

In der Lebensmittel- und Getränkeindustrie kommt die feste Reihenfolge hinzu, die die Einhaltung von Mindesthaltbarkeitsdaten und die Chargentrennung stützt.

Der Nachschub zu diesen Plätzen kommt häufig aus einem Palettenlager. Ablaufbahnen bringen ihn dorthin, ohne dass dafür zusätzlicher Staplerverkehr entsteht.

Individuelle Konfiguration

Kanaltiefe, Anzahl und Höhe der Ebenen, Neigung, Röllchentyp, Bremsen und Trennteiler richten sich nach Ihrem Sortiment und Ihrem Durchsatz. Auch der Griffbereich wird auf die Arbeitshöhe Ihrer Mitarbeitenden ausgelegt, was sich über eine Schicht hinweg spürbarer auswirkt als die meisten technischen Details. In dieser Vielfalt an Ausführungen liegt der eigentliche Spielraum, den Kolli-Durchlaufregale bieten.

Bei der Auswahl des passenden Regalsystems hängt am Ende alles an Bestand, Ladungsträger und Umschlag.

Planung, Fertigung und Montage aus einer Hand

Wir analysieren Ihren Bedarf, planen die Anlage, fertigen sie und montieren sie termintreu. Sie haben einen Ansprechpartner von der ersten Idee bis zur Abnahme. Dahinter stehen über 100 Jahre Erfahrung sowie das Fertigungsnetzwerk der Unternehmensgruppe Groupe Provost mit sechs Produktionsstandorten und über 100.000 m² Fläche.

Weil Kolli-Durchlaufregale bewegte Bauteile haben, gehören sie in die wiederkehrende Prüfung Ihrer Regalanlage. Wir prüfen dynamische Systeme im laufenden Betrieb. Die Pflicht zur Regalinspektion trifft dabei Sie als Betreiber, die Durchführung übernehmen wir.

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