FIFO bedeutet First In, First Out: Die zuerst eingelagerte Einheit wird zuerst entnommen. LIFO bedeutet Last In, First Out: Die zuletzt eingelagerte Einheit wird zuerst entnommen. Welches von beidem in einem Lager gilt, ergibt sich in erster Linie aus der Bauform des Regals.
Dieser letzte Satz ist der wichtigste. In vielen Betrieben gilt FIFO als Anweisung: Der Lagerleiter legt fest, dass nach Datum abgearbeitet wird, und alle halten sich daran. Solange nichts schiefgeht, funktioniert das. Sobald Zeitdruck herrscht, greift jemand nach der Palette, die vorn steht, und nicht nach der, die hinten steht. Wo die Reihenfolge wirklich zählt, sollte sie deshalb nicht organisiert, sondern gebaut werden.
Wie FIFO entsteht
Ein FIFO-System hat zwei Seiten. Beschickt wird auf der einen, entnommen auf der gegenüberliegenden. Dazwischen liegt ein Kanal mit leichtem Gefälle, in dem die Ladungsträger per Schwerkraft nachrücken. Weil im Kanal keine Einheit eine andere überholen kann, verlässt die zuerst eingestellte den Kanal auch zuerst.
Entscheidend ist, dass dafür keine Software nötig ist und keine Buchung, die jemand vergessen könnte. Die Reihenfolge ist eine physikalische Eigenschaft der Anlage. Ein Mitarbeiter unter Zeitdruck kann sie nicht umgehen, weil an der Entnahmestelle schlicht nichts anderes steht als die älteste Einheit.
Diese Bauweise finden Sie bei Durchlaufregalen für Paletten, bei Kolli-Durchlaufregalen für Kartons und Behälter und bei Ablaufbahnen, die Ladeeinheiten zwischen zwei Bereichen bewegen.
Wie LIFO entsteht
Ein LIFO-System hat nur eine Seite. Ein- und ausgelagert wird an derselben Stelle. Was zuletzt hineingeschoben wurde, steht vorn und kommt zuerst wieder heraus.
Das klingt zunächst nach einem Nachteil, ist aber der Preis für einen erheblichen Gewinn: Weil nur ein Gang gebraucht wird statt zwei, steigt die Lagerdichte deutlich. Bei Einschubregalen mit Schlittensystem und bei Carrier Push-Back Regalen laufen die Ladungsträger auf Schlitten oder Wagen und schieben sich gegenseitig in den Kanal hinein.
Auch hier gilt: Das Prinzip ist gebaut, nicht organisiert. Ein Einschubregal oder ein Carrier Push-Back Regal lässt sich nicht durch eine Anweisung in ein FIFO-System verwandeln. Wer datums- oder chargenkritische Ware in einem solchen Kanal lagert, hat ein Problem, das keine Prozessbeschreibung löst.
Was die Wahl tatsächlich entscheidet
Die Frage lautet nicht, welches Prinzip besser ist, sondern welches zu Ihrem Bestand gehört.
FIFO ist gesetzt, wenn Ihre Ware ein Mindesthaltbarkeitsdatum trägt, wenn Chargen in einer festen Reihenfolge abfließen müssen, wenn Material altert oder wenn Sie eine lückenlose Rückverfolgbarkeit brauchen. Lebensmittel, Getränke, Pharma und Medizintechnik, Chemie und viele Klebstoffe oder Dichtmassen aus der Fertigung fallen darunter.
LIFO ist sinnvoll, wenn die Reihenfolge sachlich keine Rolle spielt und stattdessen die Fläche der Engpass ist. Homogene, nicht verderbliche Massenware mit mehreren Paletten je Artikel ist der klassische Fall: Non-Food im Handel, Baustoffe, Verpackungsmaterial, saisonale Puffer.
Die häufigste Fehlentscheidung entsteht dort, wo ein Betrieb sein gesamtes Lager nach einem Prinzip auslegt. In der Praxis hat fast jeder Betrieb beide Arten von Bestand. Sinnvoll ist deshalb meist nicht die Entscheidung für eines der beiden Prinzipien, sondern die Aufteilung des Sortiments: datumskritische Artikel in FIFO-Kanäle, unkritische Massenware in verdichtete LIFO-Kanäle. Beides lässt sich in derselben Anlage abbilden, wenn es von Anfang an so geplant wird.
Ein häufiges Missverständnis
FIFO und LIFO gibt es auch als Verfahren der Vorratsbewertung in der Bilanz. Die Begriffe sind dieselben, gemeint ist aber etwas anderes: nicht die physische Reihenfolge im Regal, sondern die rechnerische Zuordnung von Anschaffungskosten zu Beständen.
Beide Ebenen hängen nicht zwingend zusammen. Ein Lager kann physisch nach FIFO arbeiten und bilanziell anders bewertet werden. Welches Bewertungsverfahren für Ihr Unternehmen handels- und steuerrechtlich zulässig und sinnvoll ist, klären Sie mit Ihrer Steuerberatung. Für die Auslegung Ihres Lagers ist ausschließlich die physische Ebene maßgeblich, und um die geht es in diesem Beitrag.
Wo weder das eine noch das andere gilt
Nicht jedes Lagersystem hat ein Warenflussprinzip. Ein Palettenregal mit direktem Zugriff auf jede Palette kennt weder FIFO noch LIFO, weil jeder Stellplatz einzeln erreichbar ist. Die Reihenfolge bestimmt dort allein Ihre Lagerverwaltung.
Das ist kein Mangel, sondern eine andere Eigenschaft: maximale Zugriffsfreiheit bei geringerer Dichte. Wer viele Artikel mit kleinen Beständen führt, fährt damit besser als mit jedem Kanalsystem. Bei automatischen Lagern wiederum steuert die Anlagensoftware die Reihenfolge, sodass beide Prinzipien darstellbar sind.
Vom Prinzip zum System
Wenn Sie wissen, welcher Teil Ihres Bestands nach Datum abfließen muss und welcher nicht, ist die Hälfte der Systemauswahl bereits erledigt. Der Rest der Auswahl des passenden Regalsystems hängt an Ladungsträger, Durchsatz, Fläche und Hallenstatik.
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Sie sind unsicher, welcher Teil Ihres Sortiments in ein FIFO-System gehört und welcher sich verdichten lässt? Sprechen Sie uns an. Wir sehen uns Ihre Artikelstruktur und Ihre Flächen an und entwickeln daraus ein Konzept, von der Planung über die eigene Fertigung bis zur termintreuen Montage.
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